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Literatur- und Schreibpädagogik

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SILVIA WALTL

Silvia Waltl Sommer 2010

© Silvia Waltl, Juli 2010

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PROJEKTE


TRANSFER UND TRANSFORMATION:

Einige wesentliche Prinzipien meiner pädagogischen Arbeit:
Methodenpluralismus - Intermedialität - gestaltende Interpretation

Auf Grundlage meiner Ausbildungen, meiner jahrelangen praktischen Arbeit und meiner beruflichen Erfahrung, sowie meiner künstlerischen Selbsterfahrung bediene ich mich in meinen diversen Tätigkeitsfeldern im Wesentlichen eines integrativen Ansatzes. Viele Schwerpunkte meiner Arbeit mit Gruppen in unterschiedlichen Größen, Settings und mit verschiedenen Zielgruppen sind an der Schnittstelle zwischen Pädagogik und Selbsterfahrung angesiedelt, wobei ich immer wieder auf verschiedene Werkzeuge des kunsttherapeutischen Instrumentariums wie beispielsweise den intermedialen Transfer zurückgreife und auf diese Weise diverse Medien - wie: Text, Bild, Musik, Objekte und Installationen, Körperarbeit, Bewegung und Improvisationstheater bzw. Rollenspiel und anderes mehr - in den kreativen Prozess integriere. Methodenpluralismus spielt in meiner Arbeit seit Jahren eine große Rolle. Dabei stimme ich meinen Ansatz auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Zielgruppen ab, bin aber immer wieder bemüht, den Teilnehmer/innen neue Methoden vorzustellen und aufzuzeigen, und sie damit einzuladen, sich Neuem zu öffnen und bisher unbekannte Perspektiven kennen zu lernen.

Von besonderer Bedeutung scheint mir hier einerseits die Ressourcen- und Prozessorientierung zu sein, andererseits das gruppendynamische Element. Prozessorientiertes Vorgehen bedeutet: Menschen in ihrem kreativen Schaffens- und Entwicklungsprozess zu begleiten und zu unterstützen, ihre Stärken zu fördern und ihnen konstruktive Rückmeldungen im Zuge einer respektvollen und wertschätzenden Feedback- und Reflexionskultur zu geben. Wenn Menschen in einer Gruppe gemeinsam Kreatives schaffen - und zwar sowohl in Interaktion miteinander, als auch als in Form von Einzelarbeiten - entsteht eine Kraft und Dynamik, die es auf konstruktive Weise zu lenken und zu nutzen gilt, mit dem Ziel, dass möglichst alle auf eine für sie erbauliche Weise davon profitieren mögen.

Als Kunstvermittlerin, ausgebildet am Institut für Kulturkonzepte in Wien, bin ich seit einigen Jahren auch im institutionalisierten musealen Bereich tätig. Ich biete unterschiedliche Settings sowohl für Erwachsene, als auch für Jugendliche an, wobei ich auch im schulischen Bereich auf Projektbasis tätig bin, um mit Schülerinnen und Schülern mit Unterstützung literatur- und schreibpädagogischer Methoden an bestimmten Schwerpunktthemen konstruktiv zu arbeiten. Im Zuge der von mir vor einigen Jahren ins Leben gerufenen Workshopreihe Kunst und Literatur / Literatur und Kunst, die mittlerweile unter dem Titel Transfer und Transformation / Literatur im Museum einen fixen und immer bedeutsameren Schwerpunkt in meinem Werkstattangebot bildet, biete ich Veranstaltungen an, die ich gerne als Schnittstelle zwischen literatur- und kunst- bzw. museumspädagogischer Arbeit verstanden haben möchte. In diesen Workshops geht es darum, im kreativen Prozess Annäherungsweisen an verschiedene Formen von Kunst zu finden, Kunst abseits von schulischen oder wissenschaftlichen Meinungen und Konzepten im Prozess subjektiver Reaktions- und Transferprozesse konstruktiv-gestaltend zu interpretieren und auf Basis dieser subjektiven Interpretationsprozesse in das geschriebene Wort zu übertragen, wobei Bild und Wort einander bedingen, das Bild die Sprache vorgibt.

Wir setzen uns im Zuge dieser Settings mit unterschiedlichen Betrachtungsweisen von Bildern auseinander, wobei auch Fantasie, Empathie und Imagination eine wichtige Rolle spielen. Die Welt der äußeren Bilder trifft auf die innere Bilderwelt und wird hier zum Impuls, zum Stimulus, zum Ausgangsort neuer Bilderwelten, die über das Gesehene und Wahrgenommene hinausgehen. Kunstwerke können von außen betrachtet oder von innen interpretierend ausgestaltet werden; Eindruck und Ausdruck treffen im kreativen Prozess aufeinander. Die gestaltende Interpretation von Bildinhalten beruht nicht auf vorgefassten Lehrmeinungen oder festgefügten Schemata, sondern auf der individuellen und persönlichen Reaktion auf das Gezeigte. Auf diese Weise soll es gelingen, offen und unbelastet an Kunst heranzugehen - und zwar an jegliche Art von Kunst, klassische ebenso wie zeitgenössische - und diese auf die individuell passende und stimmige Art und Weise im kreativen Prozess zu interpretieren. Im Rahmen meiner Workshops besteht diese Interpretation zumeist im Experiment mit unterschiedlichen literarischen Formen, die nicht zuletzt die Vielfalt an persönlichen Zugängen zu und Interpretationen von Kunst aufzeigen sollen. Der sogenannte Paralleltext liefert dafür das beste Beispiel, da er auf den unterschiedlichen gestaltenden Interpretationen einer Quelle durch mehrere Personen beruht.

Dass sich für diese Prozesse die nicht-gegenständliche Kunst am besten eignet, liegt auf der Hand, denn sie öffnet einen Raum und bietet Freiheiten abseits vorgefertigter Formen und Konfigurationen. Aus diesem Grund führen die meisten meiner Workshops in Ausstellungen von Werken der Moderne und der Klassischen Moderne. Teile der Schreibwelten-Gemeinde können in diesem Zusammenhang bereits auf eine Reihe einschlägige Erfahrungen zurückblicken, beispielsweise den Besuch zahlreicher Ausstellungen in diversen Museen wie dem Wiener Kunstforum, der Albertina, im Leopoldmuseum oder dem Mumok - Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, sowie der Sammlung Essl in Klosterneuburg. Zudem kann auch auf Workshops im Ausland verwiesen werden, darunter beispielsweise im Rahmen der großen Kandinsky-Retrospektive Absolut Abstrakt des Münchner Lenbachhauses im Jahr 2008 - einer Ausstellung im Lenbachhaus und im Kunstbau, die die letzte große Schau vor der Schließung des Museums zu Restaurationszwecken war. Das Lenbachhaus soll im Frühjahr 2013 wieder eröffnen. Zuletzt arbeitete ich mit einer Gruppe im Zuge des Workshops Literarisches Berlin 2012 zu Gerhard Richter in der Neuen Nationalgalerie am Kulturforum am Potsdamer Platz, Berlin.


Silvia Waltl im Mai 2012

© Andy Chicken, Mai 2012


Ich reise häufig - im In-, aber auch ins Ausland - um mir Museen und Ausstellungen, museale Strukturen und Museumsarchitektur anzusehen, aber auch, um museumspädagogische Programme kennenzulernen. Insbesondere der Schweiz kommt hier - nicht nur in Hinblick auf ihre Museumsdichte, sondern auch in Zusammenhang mit Kunstvermittlung - eine Vorreiterrolle zu. Ich würde mir auch für österreichische Häuser eine ähnliche Programmvielfalt mit multimedialer Ausrichtung im institutionalisierten Umfeld wünschen.

Wenn wir mit Kunst und Bildern im weitesten Sinne arbeiten, greifen wir jedoch nicht nur auf vorhandenes Material (Fotos, Gemälde, Alltagsbilder etc.) zurück, sondern fertigen im Prozess des intuitiven, spontanen Ausdrucks auch selbst Bilder an, wobei der Impuls immer im Mittelpunkt steht. Farben und ihre emotionalen Konnotationen spielen hier eine bedeutende Rolle. Wenn mit unterschiedlichen Materialien (Kreiden, Stiften, Kohle, Graphit, Bleistiften, Kreide, Acryl, Tempera, Wasser- oder Fingerfarben u. ä. m.) gemalt und/oder gezeichnet oder auch grafischer Text ausgestaltet wird, ist es besonders wichtig, zu betonen, dass es nicht um Technik geht und dass Kriterien wie Können oder Nicht-Können ebenso fehl am Platz sind wie Richtig oder Falsch. Viele Menschen sind durch das schulische Bewertungs- und Kategorisierungssystem in ihrem künstlerischen Ausdruck gehemmt und meinen, nichts zustande bringen zu können, aus Angst vor Abwertung oder in Folge des Fehlens von technischem sogenannten Können. Die impulsive und intuitive Zugangsweise kann hier sehr befreiend und auch beglückend wirken; Transferprozesse und gestaltende, subjektive Interpretationen in der Gruppe wiederum eröffnen neue Perspektiven und bringen eine Reihe neuer und spannender Erfahrungen und Entdeckungen in Bezug auf das eigene Werk mit sich.

Wenn wir mit unterschiedlichen Medien und Materialien arbeiten, so geschieht dies manchmal auf Basis von Einzelarbeiten, häufig jedoch in Form von Interaktionen und Transaktionen innerhalb der Gruppe. Transfer- und Austauschprozesse ermöglichen es den Gruppenteilnehmerinnen und -teilnehmern, neue Perspektiven einzunehmen und sich selbst im anderen, das Innen im Außen wiederzufinden. Auf diese Weise entstehen nicht nur häufig erstaunliche Werke in Bild- und Textform, sondern auch erstaunliche neue Erkenntnisse.

Als Schreib- und Literaturpädagogin mit viel Selbst- und Gruppenerfahrung, sowie mit viel Erfahrung im praktischen Unterricht, arbeite ich auch mit Schülern aller Schulstufen und Altersklassen im schulischen Bereich und kann über Kulturkontakt Austria als Künstlerin (Bereich: Literatur) für schulische Projekte angefordert werden. Eines meiner letzten Schulprojekte war an der Schnittstelle zwischen literatur- und kunstpädagogischen bzw. kunsttherapeutischen Methoden angesiedelt und fand fächerübergreifend und in interdisziplinärer Form im Deutsch- und Kunstunterricht (Bildnerische Erziehung) in enger Kooperation mit den jeweiligen Lehrkräften statt. Das Engagement, die Kreativität, der Ideenreichtum, die Originalität und die Motivation der Schülerinnen und Schüler zum gemeinsamen Tun und Schaffen sind dabei immer wieder erstaunlich mitzuerleben und eine wahre Bereicherung. Einerseits schafft der spielerische Umgang mit den Themen Freiheit und Raum für Kreativität - andererseits kommt auch die Ernsthaftigkeit nicht zu kurz, mit der es gilt, einen einmal begonnenen kreativen Prozess auch zu einem stimmigen Ende zu führen, das Werk zu präsentieren und im Zuge einer konstruktiven Diskussions- und Reflexionskultur Feedback von anderen zu erhalten. Auf diese Weise findet eine meines Erachtens gute und gelungene Symbiose von Prozess- und sogenannter Produktorientierung statt - nämlich dann, wenn klar wird, dass durch gemeinsames Tun und das Mitwirken aller im Team etwas geschaffen und geschafft werden kann. Kreative Arbeit stiftet Identität, wie auch Gemeinschaft, ermöglicht Selbst- und Welterfahrung, fördert die persönliche Entwicklung und bereichert durch die Erfahrung des Lernens am Eigenen wie am Anderen.

Ich würde mich bei Interesse über Kontaktaufnahme via E-Mail freuen und stehe gerne für Fragen und Anregungen, sowie Anfragen bezüglich Gruppen und Einzelpersonen zur Verfügung.



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