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Literatur- und Schreibpädagogik

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SILVIA WALTL

Silvia Waltl Sommer 2010

© Silvia Waltl, Juli 2010

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AUS DER PRAXIS

Zur Veranschaulichung einiger Aspekte schreibpädagogischer Methodik

Die nachfolgende Tabelle soll eine Zusammenschau einiger wesentlicher Aspekte der schreibpädagogischen Methodik, unterteilt in einzelne Themenbereiche, bieten.

Die Auflistung der für die einzelnen methodischen Ansätze zur Verfügung stehenden Materialien und Zugangsweisen ist nicht vollständig, sondern in mehrere Richtungen erweiterbar.

ÜBERBEGRIFF

ZUGEORDNETE THEMEN
[Beispiele]

Sprache aus Sprache:

Konstruktive Spracharbeit

Elementare Arbeit am Grundmedium Sprache, zum Beispiel:

Free Writing, Assoziatives Schreiben, Schreiben aus der Leere, Automatisches Schreiben bzw. Automatismus, Bewusstseinsstrom, Cluster, Verknüpfungstechniken, Sprachfantasien, Sprachcollagen, Verfremdungen, Sprachgenerierung und Sprachinszenierung in Gruppen, Arbeit am einzelnen Wort, Buchstabenspiele, spielerischer Umgang mit rhetorischen Figuren bzw. Rede- oder Wortfiguren -; Anagramme, Inversionen, Permutationen, u. a. m.

Text aus Text:

Konstruktive Textarbeit /
Von der Rezeption zur Produktion

Arbeit mit Fremdtexten - Hereinholen - Anverwandeln - von Fremdmaterial in das Eigene, zum Beispiel:

a. nahe an der Quelle/den Quellen, sprachbasierte Arbeit -; z. B. Sprach- und Textcollagen, Montage, Dekonstruktion und Neukonstruktion von Texten, Transfer/Übertragung/Umdichtung - Paraphrase (stilistisch, formal, inhaltlich, thematisch, motivisch) - gestaltende Interpretation Verfremdung, Ergänzung, Erweiterung von Texten und Textstellen, Wandertexte

b. weg von der Quelle/den Quellen - Ausloten des semantischen Umfelds von Texten und Textteilen, atmosphärische Verknüpfung, Schreiben aus der Aura des Wortes, subjektive Reaktionstexte, imaginative Verknüpfung, Paralleltexte u. a. m.

Auseinandersetzung mit stilistischen und formalen Aspekte der Textgestaltung

-; Dramaturgie: Spannungskurve, Wendepunkte, Schlüsselstellen, Texteinstiege/Anfänge und Textenden/Ausstiege -; Literarische Motive und Motivinszenierung; Stoffe

-; Plot (Storyline), Konzept und Exposé

-; Skizzierung, Konzeption, Entwicklung und äußere bzw. innere Ausgestaltung von Figuren, Figurenprofil, Figurenpsychologie, Figurenkonstellation und -interaktion, Beziehungsdramaturgie, Dialog, Konflikt; Gefühle, Affekte und Emotionen im Text

-; Außenstehende und subjektive Erzählsituationen; Rollenprosa, fiktiver Ich-Erzähler, personaler Erzähler und Reflektorfigur; auktorialer/allwissender Erzähler, neutraler Erzähler/filmischer Blick, Sonderformen und biografische Perspektiven; erzählerische Gerechtigkeit

-; Abgrenzung Fiktion vs. Autobiografie

-; Subjektivität und Innerlichkeit im Text: Innerer Monolog, Bewusstseinsstrom, Reflexion, Kolportage

-; Spezialfälle der inneren Handlung - z. B. Darstellung von Emotionen, von Bewusstseinsebenen, dem Unbewussten, dem Traum im Text

-; Techniken zur Erzeugung von erzählerischer Nähe und Distanz im Text

-; Lakonie und Aussparung, Klischeevermeidung, elliptische Texte

-; Rhetorische Figuren (Bild-, Sprach-, Gedanken- und Klangfiguren, Tropen et al)

-; Aufbau dramatischer und szenischer Texte und Dramentexte für Theater, TV und Hörfunk

-; Besonderheiten der Textgattung Lyrik: Stilmittel, Klangfiguren, Verdichtung, Verknappung, Metrik, Reimschemata, Versmaße, Sprachmagie, Metaphorik, Motivik, Bildhaftigkeit, Rhythmik und Musikalität von Sprache, Bild, Symbol, Motiv in der Lyrik u. a.

Der literarische Text:

Gattungen, Genres, Formen und Sorten

Literarische Gattungen und die ihnen zugeordneten Genres; Grauzonen und Sonderfälle z. B. lyrische Prosa, lyrisches Drama, sowie Biografie und Autobiografie -; Abgrenzung Fiktion -; Non-Fiction

-; Formen und Genres der Epik , z. B. Kurzgeschichte, Short Story, Shortest Story, Miniatur, Aphorismus, Anekdote, Erzählung, Roman, Krimi, Fabel, Märchen, Parabel, Fantasy, Science Fiction, Utopie, Grusel/Horror; Sonderformen wie Brief- und Tagebucherzählungen

-; Formen und Genres der Lyrik , z. B. Subjektive Empfindungslyrik, Dinggedicht, Motivlyrik, Zweck- und Gebrauchslyrik (politische und zeitkritische Lyrik), Gedankenlyrik und Epigramm; Sonett, Ode, Hymne, Ballade, Versepos, Haiku, moderne/freie Formen, hermetische Formen, konkrete und visuelle Poesie, Lautgedicht, usw.

-; Formen und Genres der Dramatik , z. B. Drama, Dramolett/Minidrama, Mikrodrama, Lesedrama, Lustspiel/Komödie, Melodrama, Tragödie, Tragikomödie, Hörspiel/Hörstück, Film/Fernsehdrehbuch, episches Drama, lyrisches Drama, usw.

-; Abgrenzung literarischer Textsorten zu nicht-literarischen Textsorten (non-fiction), z. B.: Journalistische Texte, Fachtexte, philosophische/wissenschaftliche Texte, Alltagstexte, biografische und autobiografische Texte, Essay, Aphorismus (Grauzonen und Überschneidungen!).

-; Stile und Strömungen -; Tradition und Geschichte, z. B. Romantik, Naturalismus, Realismus, Expressionismus, Symbolismus, Dadaismus, Futurismus, Surrealismus, Neue Sachlichkeit, Exil- und Untergrundliteratur, Kriegs- und Nachkriegsliteratur/Trümmerliteratur, Konkrete Poesie, Avantgarde, Moderne, Postmoderne, Gruppe 47, Wiener Gruppe, Grazer Gruppe, usw.

-; Exkurse und Berücksichtigung der soziokulturellen und politischen Rahmenbedingungen und der Lebensumstände der Vertreter

Intermediale Transferprozesse und subjektiv gestaltende Interpretation:

Übertragung von Inhalten, Motiven, Strukturen usw. aus außertextlichen Quellen in den Text

Sinneseindrücke und Wahrnehmungen:

Sehen, hören, riechen, schmecken, tasten -; Welt- und Selbsterfahrung über die Sinnesorgane z. B. Aromen, Farben, Musik

Alltagsmaterialien und Medien:

Zeitungen und Zeitschriften, Bilder, Fotos, Illustrationen, Comics, Werbung, Programme, Prospekte, Flyer, Film, Fernsehen, Video, Radio, Internet, usw.
aber auch: Installationen, Collagen, Objekte.

Text aus Bild:

bildende Kunst, Fotografie, Alltagsbilder, Werbebilder, Postkarten; dazu gehört auch die konkrete Kunstbetrachtung und gestaltende Bildinterpretation im Museum.



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