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Literatur- und Schreibpädagogik

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SILVIA WALTL

Silvia Waltl Sommer 2010

© Silvia Waltl, Juli 2010

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METHODISCHES MISSION STATEMENT

Zur Einführung in einige grundlegende Prinzipien der schreib- und literaturpädagogischen Arbeit

Das Konzept des literarischen Schreibens als persönliche und kreative Ressource, als Instrument der Selbst- und Welterfahrung bildet den Kern des Werkstattgedankens und des pädagogischen und methodischen Ansatzes, der hier in Umrissen dargestellt werden soll.

Diese methodischen Ansätze beruhen einerseits auf den Prinzipien der Prozess- und Ressourcenorientiertheit und des Materialcharakters, der Materialität von Sprache und ihrem kreativen, konstruktiven Potential als dynamisches Medium, als Quelle und Primärmaterial, andererseits auf inhaltlichen, technischen und stilistischen Prinzipien der gestaltenden Text- und Spracharbeit, auf der Etablierung eines geschützten Rahmens und Raumes, welche die Auseinandersetzung mit stilistischen Merkmalen und - auch: subjektiven - Eigenheiten von literarischen Sprachen und Texten unterschiedlicher Genres und Gattungen ermöglichen soll, sowie auf dem Potential vielfältiger und vielgestaltiger Quellen und Impulsen, Ausgangsorten und Ausgangssituationen für die kreative Textentwicklung - darunter auch die breite Palette künstlerischer Medien, aber auch Alltagsmaterialien und Phänomene alltäglicher Lebenswelten.

Literaturhinweis

Bücher, Unterlagen und Lernmaterialien zur Methodik des kreativen Schreibens gibt es in großer Zahl. Eine Darstellung einiger wesentlicher Aspekte langjähriger literaturpädagogischer Arbeit mit Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern, sowie eine Präsentation der methodischen Grundlagen, die einerseits auf historisch gewachsenen Prinzipien diverser "Creative Writing"-Schulen beruhen, welche sich in erster Linie im angloamerikanischen (Sprach-)Raum etablieren konnten und dort bis heute durchwegs im universitären Umfeld positioniert sind, in großen Teilen jedoch von der seinerzeit von Christine Brauner und Gerwalt Brandl am Polycollege Stöbergasse initiierten und in Folge in der Wiener Erwachsenenbildung gut etablierten Wiener schreibpädagogischen Schule beeinflusst und geprägt sind, erfolgte 2008 in dem Methodik und Werkstatttexte zusammenführenden Buch an einem wunderroten faden Edition VHS, Wien. Herausgeberin: Silvia Waltl

Im Frühjahr 2014 erschien in Co-Herausgeberschaft mit Simone Stefanie Klein wie durch löcher in der zeit in der edition libica, wien.

Nach Jahren institutionellen Nomadentums hat sich die Wiener schreibpädagogische Schule in der Zwischenzeit zum Berufsverband der österreichischen Schreibpädagog/innen (BOES) organisiert und im Rahmen eines modulbasierten Ausbildungslehrgangs zur Schreibpädagogin/zum Schreibpädagogen institutionalisiert. Die Ausbildung wird seit Jahren mit Erfolg angeboten.

Weitere Informationen zu Ausbildung und Angeboten: Berufsverband österreichischer Schreibpädagog/innen im Netz.

Mein persönlicher Zugang basiert auf einem über die Jahre und im Rahmen zahlreicher Kurse, Workshops, Seminare und Vorträge angeeigneten methodischen Instrumentarium, welches im Prozess langjähriger didaktischer Erfahrung in zahlreichen Settings um eigene und neue Ansätze erweitert worden ist. Viele dieser Methoden haben sich in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen auf außergewöhnlich konstruktive Weise bewährt.

Nachfolgend sollen einige kurz erläuterte Schlagworte zu einer möglichst kompakten Darstellung der wesentlichen Prinzipien dieses pädagogischen Ansatzes dienen:

1. Methodenpluralismus

Aufgezeigt wird eine Vielzahl an unterschiedlichen - sprachlichen und außersprachlichen, textlichen und außertextlichen - Methoden, welche es ermöglichen, in den Prozess des kreativen Schreibens hineinzufinden und Texte zu entwickeln und auszugestalten, wobei die Schwerpunkte auf text- und sprachbasierten, sowie auf bildhaften Methoden, allerdings auch auf Alltagserfahrungen beruhen.

2. Konstruktive Textarbeit

Das Lernen am literarischen Text stellt eine wesentliche Komponente des pädagogischen Ansatzes dar: Im kreativen Prozess treffen das Eigene und das Fremde, das Innere und das von außen Kommende aufeinander. Lesen und die kritische und aufmerksame Auseinandersetzung mit Texten hilft dabei, den eigenen literarischen Horizont zu erweitern.

3. Interdisziplinarität und Multimedialität

Mit einbezogen werden alle Textsorten von der experimentellen Lyrik bis zum Medien-, Alltags- oder Gebrauchstext. Dieser Zugang reicht über die Literatur hinaus: Medien wie Malen, Collagieren, Bewegung und Musik bilden einen weiteren wichtigen Schwerpunkt meiner Arbeit.

4. Sprachsensitivität

Ein Ziel meiner schreibpädagogischen Arbeit besteht darin, Sensitivität und Aufmerksamkeit im Umgang mit Sprache zu entwickeln, sprachliche Unschärfen erkennen und vermeiden zu lernen, und diese erlernte und gewonnene Sprachsensitivität in Folge auch im Alltagsleben umsetzen zu können.

5. Textkompetenz und Stilsicherheit

Schwächen und Stärken des eigenen und des fremden Textes zu erkennen, darin besteht ein weiteres Ziel dieses Ansatzes. Darüber hinaus sollen stilistische Grundbegriffe keine Fremdwörter sein oder bleiben. Vermittelt wird das Wissen um grundlegende Aspekte der Textkonstruktion wie Erzählperspektiven, Figurengestaltung oder Rhetorische Figuren. Dabei verbleiben wir nicht im Bereich komplizierter Theorie, sondern wir eignen uns die Kenntnis dieser Prinzipien im praktischen Umgang mit ihnen an, im Prozess kreativer Textgestaltung, in der - auch spielerischen - unmittelbaren Erfahrung von Sprache und ihren unterschiedlichen Wirkungsweisen.

6. Gruppendynamik

Schreiben ist nicht mehr länger eine Beschäftigung im vielstrapazierten stillen Kämmerlein: Gruppendynamische Prozesse und Außenperspektiven ermöglichen die eigene literarische Weiterentwicklung und erweitern unseren Ansatz um eine soziale Komponente.

7. Konstruktive Diskussions- und Feedbackkultur

Über Texte zu reden macht Freude, ist interessant, stärkt Konzentration und Aufmerksamkeit, und hilft am Ende dabei, eigene Texte zu revidieren und zu verbessern. Es stiftet Sinn und Gemeinschaft und betont den kommunikativen Appell des Schreibens.

8. Lernen am Anderen

Das Du ist der Spiegel des Ich: Die Auseinandersetzung mit dem Werk des anderen ermöglicht uns im Gegenzug einen objektiveren Blick auf unser eigenes Werk.

9. Respekt, Toleranz, Offenheit und Sachlichkeit

Im Zentrum unserer Auseinandersetzung mit dem Text steht der respektvolle und behutsame Umgang mit dem geschriebenen Wort, mit sich selbst und den anderen. Wir sind offen für den Ausdruck des anderen und erkennen ihn in seiner - auch stilistischen - Individualität an. Wir erleben einander als Ergänzung, Bereicherung, Inspiration; wir sind offen für den Blick des anderen auf unser eigenes Werk. Es gilt, den spezifischen Stil jedes einzelnen herauszuarbeiten, zu stärken, zu respektieren und zu unterstützen. Wir diskutieren ausschließlich auf sachlicher Ebene und werten nicht oder schaffen Hierarchien. Gesprochen wird über den Text, seine formale Gestaltung und seine Wirkung - nicht über die Person.

10. Zurücktreten der Autorin bzw. des Autors hinter den Text

Wenn wir ein Buch lesen, steht in den seltensten Fällen der Autor/die Autorin des Buches neben uns und uns für Fragen zur Verfügung. Konkret heißt das für uns: Der Autor/die Autorin hält sich mit Kommentierungen und Erklärungen zurück und lässt den Text für sich alleine stehen, unabhängig und losgelöst von seinem Schöpfer. Der Leser wird nicht bevormundet, er wird nicht eingeschränkt in seiner Reaktion auf den Text. Ein Text bedarf keiner Erklärung, Entschuldigung oder Rechtfertigung.

11. Literarischer Blick und Distanz

Einen Text als Literatur zu betrachten ermöglicht einen distanzierteren Blick auf den Text, welcher unabhängig von der Fragestellung nach Autobiografie oder Fiktion existieren sollte. Der Text wird losgelöst von der Person betrachtet, die ihn verfasst hat.

12. Kultivierung des historischen Bewusstseins

Wir Schreibende sind Erben und Träger kultureller Traditionen, derer wir uns bewusst sein sollten. Einen Schwerpunkt unserer Auseinandersetzung mit Text und Sprache bildet das Wissen um unsere Vorgänger, um Epochen und Stile der Literaturgeschichte, um Schreib-Traditionen, um Kontinuitäten und Brüche - aber auch um Zeitgenossen und ihr Werk, sowie unser aktuelles literarisches Umfeld.

13. Aufgeschlossenheit und Experiment

Geht nicht gibt's nicht: Wir probieren alles und experimentieren mit allem. Der spielerische Zugang mit (noch) fremden Aspekten von Literatur ermöglicht eine neue Aufgeschlossenheit und eröffnet neue Horizonte und Perspektiven.

14. Unvoreingenommenheit und Vorurteilslosigkeit

Vermittelt wird Offenheit: Keine vorgefassten Meinungen zu haben bezüglich anderer Texte, AutorInnen oder Stilen. Wir gehen möglichst frei von Werturteilen an alles heran, was uns im Laufe unserer Auseinandersetzung mit Sprache, Text und Literatur begegnet, nehmen manches mit, integrieren Neues und Fremdes in das Eigene.

15. Künstlerische Entfaltung und persönliche Erbauung

Schreiben stiftet Identität und Gemeinschaft, es vertreibt Zeit, Angst, Zweifel und Unsicherheit, es sichert dem Schreibenden einen Platz in der Welt und ermöglicht es ihm, Spuren zu hinterlassen. Im Schreiben erfahren wir etwas über die Welt und über uns selbst. Kunst hat auch den Anspruch und Zweck, den Menschen persönlich zu erbauen und in seiner persönlichen, charakterlichen, geistigen, emotionalen und zwischenmenschlichen Entwicklung weiterzubringen. Es öffnet und erweitert Horizonte, es bereichert das Leben. Das macht jegliche Kunst zu einer existentiellen Komponente des menschlichen Seins, zur anthropologischen Grundkonstante.



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